Sprungmarken

Taucherstaffel der Berufsfeuerwehr

Foto: Ein Feuerwehrtaucher in seiner fast 50 Kilo schweren Ausrüstung.
Ein Feuerwehrtaucher in seiner fast 50 Kilo schweren Ausrüstung.

Ein stürmischer Wind treibt dicke Regenwolken vor sich her. Das Wasser der nur 14 Grad warmen Mosel kräuselt sich und schlägt in kleinen Wellen ans Ufer. Ungemütliche Bedingungen, um jetzt in die Fluten zu steigen. Aber Ralph Backes und Thomas Reinholz von der Taucherstaffel der Trierer Berufsfeuerwehr macht das nichts aus.


Während der Fahrt umziehen

In bewundernswerter Schnelligkeit legen sie ihre Ausrüstung an: Einen Neoprenanzug mit Handschuhen und Füßlingen als Schutz gegen Kälte und scharfkantige Gegenstände, eine Pressluftflasche mit Druckminderer und Lungenautomat, der an die Vollgesichtsmaske angeschlossen ist. Außerdem einen Bleigurt, Flossen, ein Messer und ein am Gürtel befestigtes Seil. Alles in allem etwa 50 Kilo. "Bei Einsätzen müssen wir die Montur im Fahrzeug anziehen, damit wir am Einsatzort keine Zeit verlieren und sofort mit der Suche beginnen können", berichtet Tauchlehrer Richard Wollscheid. "Bei der Wasserrettung zählt jede Minute."

Um für den Ernstfall gewappnet zu sein, müssen die Taucher regelmäßig Tauchstunden unter Realbedingungen absolvieren. Heute ist ein solches Training angesetzt. Ausgangsszenario: Ein Auto mit einem Insassen ist in die Mosel gestürzt.

Aufgabe: Den Wagen lokalisieren und das Unfallopfer schnellstmöglich bergen. Ralph Backes und Thomas Reinholz springen in die Fluten. Bis auf die aufsteigenden Luftbläschen ist in dem trüben Wasser nichts von ihnen zu entdecken. Auch sie selbst erkennen nicht viel. Die Sicht beträgt gerade mal eine Armlänge. Noch schlimmer wird's, wenn sie am Grund des Flusses Schlamm aufwirbeln. Zur Sicherheit und Orientierung sind die beiden Feuerwehrmänner durch ein Seil mit einem "Signalmann" verbunden, der den Tauchgang aufmerksam überwacht. Durch genau festgelegte Zugzeichen ist zwischen ihnen eine Verständigung möglich. Einmal feste Ziehen bedeutet, dass der Taucher in Not ist. Zieht der Signalmann zweimal, weiß der Taucher, dass er nach links schwimmen soll.

Mit Hilfe eines an ein Kommunikationsgerät angeschlossenen Telefonkabels und eines wasserdicht verpackten Mikrofons in der Maske können die Feuerwehrleute sogar miteinander sprechen. Und so erfährt Signalmann Andreas Horsch gerade, dass der Wagen gefunden, der Insasse jedoch herausgespült worden ist. Es dauert nicht lange, bis Backes und Reinholz einen Dummie ans Ufer ziehen. Wäre das ein richtiger Unfall, würden jetzt die lebensrettenden Sofortmaßnahmen beginnen. So jedoch schwimmen sie zurück und befestigen unter Wasser ein Seil am Auto, damit die Kollegen es herausziehen können. Ein spektakulärer Anblick. Viele Spaziergänger bleiben überrascht stehen und schauen zu.

Plötzlich ein Notsignal! Ein auf Abruf stehender Sicherheitstaucher macht sich augenblicklich auf, den fiktiv verunglückten Kollegen zu retten. Dann ist die Übung beendet. Lange bleibt der Seat Marbella jedoch nicht auf dem Trockenen stehen. Er wird erneut versenkt. Die nächsten Taucher sind an der Reihe.

Wir haben 91 Berufsfeuerwehrleute, davon 70 im Einsatzdienst", berichtet Wollscheid. "Etwa ein Drittel der Mannschaft hat die Ausbildung zum Taucher absolviert." Oft zum Einsatz kommen die Männer nicht. Durchschnittlich einmal im Monat. Im Sommer häufiger als im Winter.


Gefahr durch Leichtsinnigkeit

"Das letzte Mal haben wir vor wenigen Wochen im Bereich der Obermosel bei Palzem zusammen mit der Protection Civil Luxemburg einen jungen Mann bergen müssen. Er war ertrunken, als er den Fluss durchschwimmen wollte." Gerufen werden die Feuerwehrtaucher bei "öffentlichen Notlagen", etwa wenn Suizidgefährdete oder leichtsinnige Schwimmer in "Seenot" geraten oder ein Auto ins Wasser gestürzt ist. Als vor ein paar Wochen ein Kohletransporter im Trierer Hafen Leck schlug, rückten die Männer aus, um das Schiff leer zu pumpen. "Bei Bootsunglücken werden professionelle Tauchfirmen gerufen", so Wollscheid. "Dazu fehlt uns die Ausrüstung. Wir können zum Beispiel nicht unter Wasser schweißen." Der Feuerwehrmann, der mit drei weiteren Kollegen die Taucher trainiert und ausbildet, kann auch privat nicht von der Unterwasserwelt lassen. Im Winter hat er schon Eistauchgänge gewagt. Einmal im Jahr organisiert er Touren in warme Gefilde.


Anforderungen an Feuerwehrtaucher

Einsatzkräfte, die als Feuerwehrtaucher eingesetzt werden, sollten

  • das 18. Lebensjahr vollendet haben,
  • die Truppenmann-Ausbildung I (Grundausbildung) abgeschlossen haben,
  • das "Deutsche Rettungsschwimmerabzeichen in Silber" vorweisen,
  • körperlich geeignet sein (wird medizinisch untersucht) und
  • möglichst keinen Bart, Koteletten oder Piercings tragen.

Die Ausbildung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Mindestens 50 Tauchgänge müssen die Anwärter absolvieren. Innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren müssen sie die Prüfung ablegen.



 
Bildergalerie
  • Foto: Mitglieder der Taucherstaffel mit geborgenem Auto am Ufer.
  • Foto: Zwei Feuerwehrtaucher bei der Rettungsübung.
  • Foto: Ein Übungsauto versinkt in der Mosel.